RSSNeue Rezensionen als RSS

Rezension zum Buch:
Breaking News

Autor: Frank Schätzing

Breaking News
TitelBreaking News 
Autor Frank Schätzing
Seiten976 
VerlagKiepenheuer & Witsch 
erschienen2014 
ISBN978-3-462-04527-7 
Bewertet mit 10 von 10 Punkten.
10 Rezensionsspunkte

Weshalb dieses Buch?

Frank Schätzings Bücher sind mir ein Muss. Ich habe nur auf den Sommerurlaub gewartet, um sein neues Werk in Ruhe lesen zu können.

Über dieses Buch.

Schätzing verbindet in dem Buch zwei Hauptstränge miteinander, um sie schließlich in einem Finale zu verbinden. Im ersten Strang wird die Geschichte des Frontberichterstatters Tom Hagen erzählt, ein Star der Szene, der in den meisten der aktuell bekannten Krisengebiete auf der Suche nach den Top-News ist. So berichtet er aus Afghanistan, wo er die Truppen der Bundeswehr begleitet, um dort von einer spektakulären Geiselbefreiung zu berichten. Wir lernen Hagen dabei als jemanden kennen, der die Chance auf eine gute Story schonmal gerne höher bewertet, als die Risiken, die es dabei abzuwägen gilt. In Afghanistan wird ihm das zum Verhängnis, als eine ihm unterstellte junge Journalistin bei seiner Berichterstattung zwischen die Fronten gerät und dabei stirbt. Durch diese Zäsur verliert Hagen nicht nur seinen Job und sein Team, sondern auch sich selbst. Er plant einen weiteren Coup in Libyen, wo er erneut mit vollem Einsatz in Sirte seinem Verdacht nachgeht, dort das Ende von Gadaffi als erster mitzubekommen. Dieser Coup soll ihn wieder an die Spitze seines Gewerbes bringen. Doch auch wenn er den richtigen "Riecher" hatte, das Ende Gaddafis verpasst er und steht letztlich ohne Story und Comeback dar. Nun strandet er im Libanon, von Schuldgefühlen und Selbstzweifeln geplagt und geht dort eher seinem Alkoholkonsum nach und gefährdet damit nun auch seinen letzten Job. Hier allerdings trifft er auf seinen alten Fotografen und ehemaligen Freund aus der Zeit aus Afghanistan, der ihn gerne bei einer neuen Herausforderung dabei hätte. Dieser recherchiert bezüglich der gezielten Tötungen des israelischen Geheimdienstes Schin Bet und plant den Kauf von internem Material über eine Quelle. Für die Berichterstattung bietet er Hagen die Chance auf eine neue berufliche Perspektive an. Der blutigen Erlebnisse seines bisherigen Jobs leid und auch der Freundschaft willen, lässt er sich darauf ein und man reist nach Israel. Dank seiner alten Verbindungen zu seinen alten Arbeitgebern gelingt es Hagen, das Geld für den Ankauf der Daten aufzutreiben. Die Übergabe der Daten allerdings misslingt, das Geld ist weg und die Daten selbst scheinen nicht den Wert zu haben, die man sich davon erhofft hat. Unter dem Druck, nun eine entsprechende Story abzuliefern, erfindert er kurzerhand eine Story, die wahrlich eine Sensation ist. Weder ahnt er, dass er bei seinem Telefonat mit der Redaktion abgehört wird, noch ahnt er, dass seine Erfindung gar keine Erfindung ist. Von nun an werden er und seine Partner vom Schin Bet gejagt und nicht nur von ihm. Eine Jagt auf Leben und Tod beginnt.
 
Im zweiten Handlungsstrang wird die Geschichte des Staates Israels erzählt, auf Basis zweier Familienclans mit einigen Hauptprotagonisten: Arik, Benjamin und Jehuda, Söhne der beiden Clans, die mit einer gemeinsamen Kindheit und Freundschaft beginnen und sich im Laufe ihres Lebens aufgrund ihrer verschiedenen Charaktere und Überzeugungen immer weiter voneinander entfernen. In diesem Konstrukt werden die Stationen der israelischen Staatswerdung beginnend in den späten 20er Jahren des letzten Jahrhunderst beleuchtet. Arik, den die Welt später als Ariel Scharon kennen wird, bringt es über die Stationen eines konfliktfreudigen Kindes, über einen talentierten Befehlshaber der israelischen Truppen zum Premier. Jehuda entwickelt sich zu einem gefragten Bewässerungsspezialisten und Benjamin zu einem geschätzten Rabbi, dessen Handeln von religiösen Motiven gesteuert ist. Je näher sich die Ereignisse sich dem Heute nähern, um so weiter entfernen sich die damaligen Freunde voneinander und enden schließlich in einer Intriege, der Tom Hagen auf der Spur ist.  

Werbung

Buchkritik.

Was soll ich sagen, Schätzing kann es einfach. Nach "Limit" hatte ich gehofft, dass Schätzing ein wenig abrüsten wird und der Handlung wieder etwas Vorzug über die Beschreibung einer phantastischen Welt gibt. Dem ist er in Breaking News nachgekommen. Während im ersten Handlungsstrang eine vollständige Entwicklung Tom Hagens aufgebaut wird, hat mich die Erzählung über die Staatswerdung Israels anhand der beiden Familienclans, die sich dicht an den historischen Fakten hält, noch am meisten beeindruckt. Den Nahostkonflikt in seinen Ursächlichkeiten kennenzulernen erfordert natürlich ein Interesse am Thema, aber es gelingt vollständig die Motivation der Personen, auch in ihrem Zusammenspiel, mit eben diesen Fakten zu verbinden. Zu keiner Zeit habe ich den Eindruck, eine Geschichtsstunde zu erhalten, sondern in allem, was passiert, die Erklärung für das spätere Handeln der Charaktere zu erfahren. Und so gelangen die früheren Kinder durch die Ereignisse Israels Geschichte letztlich zu ihren Überzeugungen, die geradezu zwangsläufig in die Eskalation münden. Tom Hagen, der Kriegsjunkie, wird zufällig Teil dieser Geschichte und zwar in dem Moment, wo er der Gewalt, die er erlebt hat, überdrüssig ist. Und muss fortan erleben, wie die Gewalt vor allem nun auf ihn selbst und sein Umfeld zielt. Sein Kampf gegen den Schin Bet, der ebenso zerissen ist, wie Benjamin, Arik und Jehuda, seine nun andauernde Flucht nimmt ihm und auch mir als Leser, zwischenzeitlich jeden Überblick, wer Freund und Feind in diesem Katz- und Mausspiel ist. Und wäre es nicht schon so ungemein spannend, seinem Überlebenskampf durch die Städte Israels und dem Westjordanland zu verfolgen, so setzt der Umstand der Unüberschaubarkeit dem noch die Krone auf. So konnte ich nicht ablassen und mit Tom bis zum Ende mitfiebern, ob er überlebt und ob die noch größere Verschwörung hinter seiner "erfundenen" Verschwörung aufgelöst wird. Das ist nicht nur spannende Unterhaltung, das ist Spitzenklasse.

Von mir 10 von 10 Punkten

Hla (9/2014)

Weitere Bücher von: Frank Schätzing